"Trauern können heißt leben können"

„Verlust, Abschied und Tod gehören zu den Grunderfahrungen unseres Lebens, lange bevor uns das bewusst wird, und lange bevor wir selbst sterben. (…)
Auf alles, was wir erleben, reagieren wir, um es zu verarbeiten, um damit klarzukommen, um daraus zu lernen für künftiges Erleben. Am unmittelbarsten reagiert das Gefühl, die Psyche, die Emotion (das, was man heute Bauch nennt).
Diese Reaktion ist unmittelbar und unwillkürlich, wir können Gefühle schwerer steuern als Gedanken. Wenn wir Verlust, Abschied oder Tod erleben, dann heißt diese Gefühlsreaktion Trauer. In der Trauer liegt Schmerz, Erinnerung, Enttäuschung, Verwirrung, Verlassensein, Einsamkeit, Angst vor der Zukunft, auch Empörung und Wut… Trauer ist ein Sammelsurium unterschiedlichster Gefühle, die scheinbar überhaupt nicht zusammenpassen, sie können sich sogar widersprechen.
(…) Die große Antwort auf die Erfahrung von Endlichkeit und Sterblichkeit ist: Religion und Kultur. (…) Religion und Kultur sind dazu da, Bewältigungsstrategien zur Verfügung zu stellen, damit Menschen mit der Erfahrung leben können, dass ihr Leben endlich und ihr Glück zerbrechlich ist.“
Soweit Elisabeth Schmitter, die uns mit hineinnimmt in Ihre Überlegungen zu dem herausfordernden Thema Trauern und Abschiednehmen. Sie stellt Fragen und sucht nach Antworten:
Was erschwert heute das Trauern?
Was tröstet wirklich?
Was hilft mir persönlich in der Trauer oder beim Trauern?
Zum Abschluss ein kurzer Dialog mit einem unserer Söhne, den ich vor einiger Zeit zum Thema Trauern mit ihm führte: Wir kamen auf Martin Luther zu sprechen, weil die Vorschulkinder im Kindergarten manches über Luthers Leben erfahren hatten. Mein Sohn fragte mich, wer zuerst starb, seine Frau oder Luther. Ich sagte, er (Martin Luther). Da meinte mein Sohn, da sei sie (Katharina Luther) aber sicher sehr traurig gewesen. Ich nickte. Und er ergänzte: „Und Gott auch.“ – Ich schaute ihn an und fand es eine interessante Hinzufügung. Dann fuhr er fort: „Der war auch traurig, denn er konnte es ja nicht verhindern.“ Auf mein Erstaunen, meinte mein Sohn: „Ja, Gott kann ja nichts machen, denn sonst gäbe es ja zu viel Menschen auf der Welt…“ (Und dann war dieses Gesprächsthema für ihn erledigt. Er ließ eine nachdenklich Mutter zurück.). Der Tod fordert heraus - Trauern, menschlich, göttlich, Trauern, eine Grundkompetenz…
Herzliche Einladung, sich gemeinsam diesem wichtigen Lebensthema zu stellen:
Am 23. November 2017 ab 19.30 Uhr im Familienhaus Martin Luther.
Eintritt frei - Spenden für die Arbeit des Ökumenischen Trauer-Arbeitskreises erbeten
Herzlicher Gruß im Namen des Ökumenischen Trauer-Arbeitskreises
Pfarrerin Stefanie Luz