Erbsünde

E r b s ü n d e

 

Wie geht es Ihnen heute? Ist alles paletti, alles in Ordnung? Ich lese die Zeitung. Ich denke an mein Leben, an das Leben anderer. Ich denke an den Zahnarzt. Ich denke an Beziehungen, an meine Familie, an meinen Beruf, an meine Nachbarn, an Lebensgeschichten, an meinen Körper. Alles in Ordnung? Natürlich nicht. Das wissen wir alle. Das ist eine Binsenweisheit. Wir sind Menschen. Da kann nicht alles in Ordnung sein. Der Mensch ist Mensch und damit erlebt er täglich Vieles, was nicht rund läuft. Und genau das meint das Wort „Erbsünde“. Es läuft überhaupt nicht alles rund. Der Mensch ist Mensch. Und nicht Gott.

Die Bibel erzählt es so: Wir haben das Paradies verloren. Wir sind draußen. Jetzt sind wir Menschen ganz und gar: Begrenzt, in allem immer begrenzt. Zum Beispiel auch sterblich. Wir sind draußen. Das heißt: Wir sind getrennt von Gott. Dieses Getrennt- und damit Menschsein bedeutet „Erbsünde“. Es ist grundsätzlich so. Es bleibt auch so. Der Mensch bleibt Mensch. Deshalb der Begriff „Erb-sünde“. Nochmals: Sünde heißt getrennt von Gott sein, also Mensch sein. „Erb“ heißt: Immer so, von Mensch zu Mensch. Lateinisch ist das viel schöner ausgedrückt: Wir leben in der Originalgetrenntheit, peccatum originis.

Das ist der Befund, der sich täglich bestätigt. Was nun? Was ist die Antwort? Weiß ich nicht. Aber die Antwort unseres christlichen Glaubens weiß ich, dass wir nämlich durch die Taufe und im Glauben zu Gottes Stärke gehören. Ich weiß, dass ich zu Gott gehöre. Ich bin Mensch und bleibe Mensch, gehöre aber zum Himmlischen. Gott sagt: Ich habe den Tod überwunden. Das ist die Botschaft in Jesus Christus. Gott sagt: Ich bin der Ort für Dein Erlebtes, für Dein Hoffen und Deine Enttäuschung, für Deine Gipfel und Deine Scherben, für Schuld und Vergebung, für Lieben und Hassen. Es gibt viele Formen des Todes. Das weiß die „Erbsünde“. Sie ist realistisch. Zu wem gehöre ich?

 

„Mein bist du“

Spricht der Tod

Und will groß Meister sein.

Umsonst -

Mir hat mein Herr

Versprochen: Du bist mein.

 

Albrecht Goes

 

 Mit lieben Grüßen,

Ihr Pfarrer Alexander Köhrer