Gemeinschaft der Heiligen

 

Ich beobachte ihn. Eine ganze Zeit lang. Er steht auf dem Sportplatz. Das heißt: er steht nicht - er hüpft vielmehr auf einem Bein. Mit dem anderen Fuß hält er den Fußball in der Luft. Er kickt ihn leicht nach oben - bis in Kopfhöhe, der Ball fällt und der Fuß treibt ihn wieder nach oben. Zwischendurch auch mal mit dem Kopf. Aber nie mit den Händen. Und nie berührt der Ball den Boden. Bei zwanzig Mal höre ich auf zu zählen. Beeindruckend!

Doch dann kommen seine Freunde. Sofort hört er auf und ruft ihnen zu: „Kommt! Lasst uns spielen!“ Schnell teilen sie sich in zwei Mannschaften und spielen richtig Fußball.

Sein Soloschauspiel war beeindruckend - und vielleicht hat er es auch bemerkt und war ein bisschen stolz, dass ich ihn da so bewundert habe. Aber richtig spielen - mit anderen spielen - ist einfach schöner. Fußballspielen kann man nicht allein.

Christsein geht auch nicht allein. Sicher - ich kann daheim alleine beten. Ich kann alleine die Bibel lesen. Ich kann mir alleine Gedanken über Gott und die Welt machen. Aber das ist so, wie wenn ich als Fußballer allein den Ball in der Luft halte. Richtig spielen ist anders - das geht nur in der Mannschaft.

Denn es gibt Dinge im Leben eines Christseins, die kann ich nicht alleine machen. Etwa das Wort der Vergebung - das kann ich mir nicht alleine zusprechen, das muss mir schon ein anderer sagen.

Deshalb spricht das Glaubensbekenntnis von der „Gemeinschaft der Heiligen“. Heilige sind dabei nicht die Menschen, die vom Papst oder sonst jemandem heilig gesprochen werden. Sondern „Heilige“ meint alle, die durch den Glauben zu Gott und zu Jesus Christus gehören. „Heilige“ ist hier einfach nur ein anderer Ausdruck für „Christen“.

Christsein heißt in eine Gemeinschaft hineingestellt zu sein: in die Gemeinschaft der Kinder Gottes.

Ich wünsche und hoffe, dass Sie in unserer Gemeinde Orte finden, wo Sie diese Gemeinschaft leben und erleben können.

Herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Jürgen Huber