Gott

Das kleine Wörtchen „Gott“ ist wohl das wichtigste und grundlegende Wort für alles religiöse Denken. Aber genau dadurch ist es auch das komplexeste und vielleicht schwierigste Wort.
Wer oder Was ist Gott eigentlich?
Wer darüber nachdenkt, wird merken: eine „objektive“ Antwort darauf gibt es nicht. Denn schnell wird klar: die Antwort hat immer auch mit mir zu tun. Denn Gott ist nichts Messbares. Er ist Gott immer in der Beziehung zu mir.
Am besten gefällt mir von daher immer noch die Erklärung, die Martin Luther gibt: „Dein Gott ist das, woran du dein Herz hängst!“ Mit dieser Formulierung „woran du dein Herz hängst“ meint Luther: Dein Gott ist das, was dein Leben im Tiefsten bestimmt und begründet. Dein Gott ist das, was dein Leben mit Sinn und Lebensfreude erfüllt.
So gesehen hat jeder Mensch einen - oder vermutlich sogar mehrere Götter. Selbst ein erklärter Atheist. Jeder Mensch sucht sich etwas, worauf er sein Leben baut und was sein Leben mit Sinn erfüllt. Das können Ideale sein oder materielle Dinge. Das können ausgesprochen religiös erscheinende Dinge sein - aber auch ganz weltlich wirkende.
Auch die Bibel weiß davon zu erzählen, dass Menschen vieles vergöttern und als Gottheit annehmen. Die biblischen Schriften machen dabei immer wieder darauf aufmerksam: All diese Dinge sind vergänglich und letztlich unbeständig. Wer sein Leben auf sie baut und seinen Sinn in ihnen sucht, der hat „auf Sand gebaut“.
Nur ein Gott hat wirklich Bestand. 
Der Gott, der außerhalb dieser Welt und damit außerhalb ihres Werdens und Vergehens steht. 
Der Gott, der diese Welt erschaffen hat und erhält.
Der Gott, der in Jesus als ein kleines Kind zur Welt kam.
Der Gott, der uns in Jesus mit einem menschlichen Angesicht begegnet.
Der Gott, der in Jesus den Tod, den Inbegriff der Vergänglichkeit, überwunden hat.
Deshalb kann er Bestand geben, wo alles andere vergeht. Deshalb kann er Sinn geben, wo alles andere ins Sinnlose gleitet.
„Dein Gott ist das, woran du dein Herz hängst!“
Ich möchte mein Herz an diesen Gott hängen. Ich möchte mein Leben auf diesen Gott bauen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer

Jürgen Huber