Rechtfertigung


„Warum hast du das getan?“ - „Was hast du dabei gedacht?“ - „Hättest du es nicht anders tun können?“ - tagtäglich werden uns solche Fragen gestellt. Manchmal sind es andere Menschen, die uns so fragen. Manchmal fragen wir uns selber so oder so ähnlich. Wir müssen uns rechtfertigen für unser Tun und Handeln. Tagtäglich stehen wir unter dem Zwang zur Rechtfertigung. Manche Menschen haben diesen Zwang schon so verinnerlicht, dass sie sich fast ständig rechtfertigen, selbst in Situationen, in denen niemand eine Rechtfertigung von ihnen verlangt.
Der dauernde Zwang zur Rechtfertigung kann krank machen.
Martin Luther war als junger Mönch kurz davor, krank zu werden angesichts dieses dauernden Zwangs zur Rechtfertigung. Das vor allem auch, weil er gewiss war, dass er sich nicht allein vor den Menschen, sondern vor allem vor Gott rechtfertigen müsste - und weil er wusste: Ich habe nichts, womit ich mich vor Gott rechtfertigen könnte.
Doch dann wurde ihm im Ringen mit Gott das Evangelium als „Gute Nachricht“ offenbar (was „Evangelium“ übersetzt ja auch bedeutet). Luther erkannte: In der Tat können wir uns nicht vor Gott rechtfertigen. Ihm gegenüber bleiben wir immer etwas schuldig. Seinen Maßstäben können wir nicht genügen.
Aber das ist kein Grund zum Verzweifeln. Denn Gott kommt uns hier entgegen: Er rechtfertigt uns aus Gnade. Er macht uns recht und gerecht um seiner Liebe willen. Er achtet uns wert, auch wenn nicht alles vollkommen ist, was wir tun.
Daran kann man sich festhalten - gerade auch dann, wenn man sich mal wieder vor der ganzen Welt rechtfertigen muss.
Herzliche Grüße
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Jürgen Huber