Taufe

So war es von Anfang an: Die Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, hatten nur einen Wunsch: Sich taufen zu lassen. Natürlich waren das vor allem Erwachsene. Aber nicht nur. Oft wurden alle, die zu einer Familie gehörten, getauft. So auch Kinder.
Ich will zu Jesus Christus gehören. Das ist die Taufe. Und dann wird einem alles geschenkt. Alles, was für das Leben entscheidend ist. Alles, was der Mensch nicht selbst machen kann.
Ich will zu Jesus Christus gehören. So muss wohl auch der achtjährige Jonathan gedacht haben, als er wie die drei Weisen vom Morgenland zum Christuskind kam, sich ihm vorstellte und diese Frage hörte: „Jonathan, ich möchte von dir etwas ganz Besonderes haben.“ „Was denn?“, fragte Jonathan. „Schenk mir deine letzte Klassenarbeit“, sagte Jesus ganz leise, damit es sonst niemand hören konnte. Da erschrak Jonathan. „Jesus“, flüsterte er zurück und kam dabei ganz nah an die Krippe, „da hab ich eine Sechs bekommen. Das ist ungenügend.“ „Eben darum will ich sie ja haben.“ „Aber warum denn?“, fragte Jonathan. Jesus sagte: „Du sollst mir immer das bringen, wo in deinem Leben ungenügend drunter steht. Versprichst du mir das?“ „Ja, gerne, wenn du es unbedingt so willst“, antwortete Jonathan. „Ja, das will ich“, sagte Jesus, „und ich möchte noch ein zweites Geschenk von dir haben, deinen Milchbecher.“ – „Aber den habe ich doch heute morgen kaputt gemacht!“ „Eben darum, bring mir das, was in deinem Leben zerbrochen ist. – Jetzt mein dritter Wunsch“, sagte Jesus. „Bring mir noch die Antwort, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie dich fragte, wie denn der Milchbecher zerbrochen ist.“ Da legte Jonathan die Stirn auf die Kante und weinte. „Ich, ich, ich sagte, der Becher sei runter gefallen, aber das stimmt nicht.“ Jesus sagte: „Bring mir alles, was nicht stimmt.“ Jonathan wurde ganz still. Er dachte: „Ich soll ihm das alles geben, dabei schenkt er mir alles.“ Er hörte noch dieses: „Willst du dir das alles von mir schenken lassen?“ Jonathan kniete nieder. Sein Herz sprang. – Zu Jesus gehören. Das ist alles.
Liebe Grüße, Ihr Pfarrer
Alexander Köhrer