Vergebung

Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Lukas 23,34a

 

Was geht uns dieses erste Wort Jesu am Kreuz an? Sie wissen nicht, was sie tun?

Weiß ein Mensch, der andere beleidigt, nicht, dass er kränkt?

Weiß ein Denunziant nicht, welche Folgen sein Verrat haben kann?

Weiß jemand, der schlägt, nicht, dass er demütigt?

Weiß ein Lügner nicht, dass er andere beschämt?

Sie wissen es!

 

Aber: Menschen tun nie Böses ohne Grund. Sie wissen zwar, dass sie anderen etwas Schlimmes antun, doch sie geben sich das Recht dazu. Sie handeln alle in „gutem Glauben“. Sie glauben, das Schlimme tun zu müssen, um noch Schlimmeres zu verhindern. Angst vor Schlimmerem, Angst bis zur Verzweiflung. Wer Angst vor Herabsetzung, vor Niederlagen, vor Blamage, Schmach und Schande, Gesichtsverlust hat, dem bleibt kein anderer Ausweg an die eigene Größe zu glauben, als andere kleiner zu machen.

 

Doch wer bin ich, dass ich den ersten Stein werfe? Nein, keine Steine werfen! Auf Jesus zeigen. Denn mit Jesus hat neues Leben auf Erden begonnen. Weil Jesus keine Angst vor Niederlagen hatte. Deshalb hatten Menschen keine Macht über ihn. Sie waren nicht in der Lage ihn klein zu machen, durch keinerlei Erniedrigung. Deshalb konnte er wirklich vergeben. Selbst noch am Kreuz, in den Stunden seiner vermeintlich größten Erniedrigung, lebt Jesus, wie er immer gelebt hat: Aus der helfenden Kraft Gottes heraus.

 

Und Gott vergibt. Ganz sicher! Deshalb bete ich auch: „Vater unser … Dein Wille geschehe.“

Ich bete um die Kraft, Jesus folgen zu können, weil ich weiß, es ist gut.

Nicht zuletzt für mich selbst.

 

Mit herzlichen Grüßen

Walter Bertsch